Der TV Gelnhausen kann auch das Rückspiel in Dutenhofen für sich entscheiden und gewinnt 28:26. Die gut 350 Zuschauer – darunter ein großer Fan-Block aus der Barbarossa-Stadt – sahen dabei eine intensiv geführte Partie, die alles bot, was ein Derby ausmacht: Tempo-Handball, Kampf und Einsatz von beiden Mannschaften. 9 Strafwürfe für die HSG, 6 für den TVG unterstreichen die Intensität der Begegnung, die körperbetont – aber niemals unfair geführt wurde. Am Ende gewann das Team, das sich über die gesamte Spielzeit ein paar Fehler weniger erlaubte.
Nach der deutlichen Pleite gegen Saarlouis hatten sich die Grün-Weißen für das Derby gegen den Tabellenzweiten Wiedergutmachung vorgenommen. Aber die Sorgenfalten bei Trainer Schuchmann wurden in der vergangenen Woche über die immer länger werdende Verletztenliste nicht gerade weniger. Der Rückraum musste – neben dem Dauerverletzten Noel Hoepfner – den Ausfall von Leon Boczkowski (Knöchel) und Alois Mraz (Gehirnerschütterung) verkraften. Mit Matze Schwalbe (Sehnen-Abriss) fehlte ein wichtiger Pfeiler im Abwehrverbund. Zu allem Überfluss war Leon Bremond beruflich verhindert und so waren damit auch alle potentiellen 7m-Schützen der HSG bei dem Derby nicht dabei. Da Improvisation mit zur Aufgabenbeschreibung eines HSG-Trainers zählt, waren Eike Schuchmann und Tim Lauer einmal mehr besonders gefordert.
Gleich 4 A-Jugendliche aus dem Kader der Mittelhessen Youngsters rückten in das Team nach: Leopold Landenfeld, Felix Schneider, Mathi Geerken und Finn Krummbiegel schnupperten Drittliga-Luft. Und als echte Überraschung präsentierte sich Nico Scheibel: der gelernte Kreisläufer übernahm erstmals Verantwortung von der 7m-Linie und verwandelte alle (!!) Strafwürfe souverän!
Die Partie startete ohne großes Abtasten temporeich. Die Gäste lagen in den ersten 10 Minuten leicht in Führung, aber die HSG hielt dagegen. Nach dem Anschlusstreffer zum 5:6 markierte Kapitän Lukas Gümbel zwei Minuten später auch den Ausgleich zum 7:7 und Phillip Opitz brachte mit seinem Tor zum 8:7 die Hausherren erstmals in Führung. Danach blieb es eine knappe und umkämpfte Partie: mal lag der TVG in Führung, mal die HSG. Phillip Opitz, der 5 seiner insgesamt 6 Treffer in Halbzeit 1 erzielte, zeigte mächtig viel Zug zum Tor und war damit ein Garant dafür, dass es beim Stand von 13:13 in die Halbzeitpause ging.
Eike Schuchmann zeigte sich in der Analyse der ersten 30 Minuten sehr angetan vom Auftritt seiner Mannschaft: „In Halbzeit 1 haben wir bis auf wenige Situationen gut verteidigt, in Zweikämpfen ausgeholfen und das Tempospiel des Gegners unterbunden. Im Angriff hatten wir Tiefe in den Aktionen, haben uns ohne Ball gut bewegt und Lösungen gegen die aggressive Abwehr gefunden“.
Nach ausgeglichenem Start in die zweite Halbzeit (15:15, 35. Minute), leistete sich die Mannschaft aber wieder eine Schwächephase. Technische Fehler im Angriffsspiel und unvorbereitete Abschlüsse nutze Gelnhausen postwendend, ging mit 4 Toren in Führung und zwang Eike Schuchmann zur Auszeit. Die Gäste blieben jedoch auch danach am Drücker und bauten ihre Führung auf 26:19 (51. Minute) aus. Sollte das bereits die Vorentscheidung gewesen sein? Eike Schuchmann nahm seine letzte Auszeit, rüttelte sein Spieler wach und tatsächlich sollte es in der Sporthalle Dutenhofen noch einmal spannend werden. Im Angriff wurde wieder mit mehr Tiefe agiert und man erkämpfte sich Strafwürfe, die von Nico Scheibel sicher verwertet wurden. Mit einem feinen Schlagwurf zum 24:27 läutete Lukas Gümbel die Chrunchtime der Begegnung ein und jetzt zeigte Gelnhausen Nerven. Jonathan Malolepszy, der bislang alle 7m für Gelnhausen sicher traf, setzte in der 57. Minute seinen Wurf an die Latte. Nico Scheibel – wer sonst? – machte es eine Minute später besser und verkürzte auf 25:27 und damit war die Partie wieder offen. Leider fehlte nun ein wenig mehr Cleverness: im Angriff wurde eine gute Chance nicht genutzt, während die Gäste knapp 2 Minuten vor Schluss wieder auf einen 3-Tore-Vorsprung erhöhen konnten. Auch wenn Nico Scheibel seinen 7. Strafwurf noch im gegnerischen Gehäuse unterbringen konnte, war dieser Rückstand nicht mehr einholbar und Gelnhausen konnte damit auch das Rückspiel für sich entscheiden.
Das Resümee von Eike Schuchmann fällt daher gemischt aus: „Wir haben im Vergleich zur Vorwoche eine deutliche Leistungssteigerung gezeigt. Trotz des Rückstands haben wir uns nicht aufgegeben und uns in der Schlussphase wieder herangekämpft. Aber: wie schon im Hinspiel, war auch in dieser Partie für uns mehr drin und daher ist es schon enttäuschend, dass wir wieder mit leeren Händen dastehen.“
Torstatistik:
Nico Scheibel (8/7), Phillip Opitz (6), Lukas Gümbel (5), Tizian Weimer und Leo Zaum (je 2) Finn Jona Metzler und Mathi Geerken (je 1), Felix Schneider (1/1)








